Tag 12: Tilicho Base Camp – Tilicho Lake – Upper Shree Kharka

Wir versuchen heute mal schon vor 8 zu starten. Der Weg zum Tilicho Lake ist steil und lang. Ich hab ziemlich gut in meiner Hütte geschlafen und nichts davon mitbekommen, dass Jess und Antoine schon eher aufgebrochen sind.

Nach einem kleinen Frühstück geht es dann auch kurz nach 7 Uhr morgens los. Es gilt ca 1000 Höhenmeter am Stück in dieser Höhe zu bezwingen. Wenigstens können wir die großen Rucksäcke in der Lodge lassen und so sind wir nur mit kleinem Gepäck unterwegs.

Petr marschiert wieder voran als gäbe es kein morgen. Michal hat da schon deutlich mehr zu kämpfen. Sein Infekt hält sich hartnäckig und er ist zu stur für einen zweiten Ruhetag.

Morgens auf dem Weg vom Base Camp

Meter um Meter arbeiten wir uns den Berg hoch. Meistens überholen wir andere Wanderer, ab und an stürmen aber auch andere geradezu an uns vorbei.

Wanderer auf dem Weg nach oben

Die ganze Zeit ist die Aussicht geradezu fantastisch. Vor uns ist meist die “Grande Barriere” wie Maurice Herzog die immense Wand aus Schnee und Eis zwischen Tilicho Peak und Khangsar Kang bezeichnete als er 1950 einen Weg von Manang zur Annapurna-Besteigung suchte.

Hinter uns sieht man immer noch Annapurna III und Gangapurna. Und ganz in der Ferne ragt Manaslu mit seinen Nebengipfeln auf. Ein Traum für Bergfreunde.

Wunderbare Aussicht auf dem Weg

Im zweiten Drittel des Aufstieg wechselt der Weg in Serpentinen, die es schier endlos fast 400 Höhenmeter hoch geht. Ich bewundere die Träger, die Gepäck der Leute und Material für das Café am See hier hoch schleppen. Immer mehr Leute sitzen am Wegesrand und machen Verschnaufpause.

Nach den Serpentinen ist das Gröbste vorbei und der Horizont öffnet sich. Man kann fühlen, dass man dem Ziel nahe ist auch, wenn man den See noch nicht sieht. Es scheint als könnte man mit einem kleinen Umweg direkt zur Grande Barriere gehen und diese berühren. Was keine gute Idee ist, denn die Gegend ist sehr Lawinen gefährdet.

Grande Barriere

Im gleichen Bereich kommen uns auch Antoine und Jess entgegen, die bereits wieder am Abstieg sind. Sie sagen, dass sie um ca 7 Uhr am See waren und dann in der Kälte den See fast für sich allein hatten. Genau was sie wollten. Ich denke, dass das schon ziemlich stark für einen romantischen Moment ist. Oder für einen guten Fotografen wie Antoine.

Nach ein paar Stops um Atem zu holen und einige Fotos zu machen geht es dann die letzten Meter weiter zum See. Um ca 10 Uhr, nach etwa 2,5 Stunden haben wir es geschafft. Die Erleichterung und Freude ist bei allen deutlich zu spüren. Der See liegt traumhaft da, das Wetter ist hervorragend, einfach ein unfassbarer Anblick in dieser Höhe. Die Gefühle schwappen über und man fällt allen Leuten in die Arme die man auch nur irgendwie einmal unterwegs getroffen hat.

Der Tilicho Lake
Gletscher am See
Michal am See

Wir machen unsere Bilder. Ich will den See ein bisschen umrunden und aus anderen Perspektiven ansehen (und außerdem noch auf einen Hügel um die 5k Meter offiziell zu erreichen). Michal und Petr wollen eigentlich mit, aber Michal merkt bald, dass er zu platt ist und er wieder nach unten muss. Ich setze meine Runde alleine fort und hab den Hügel dann fast für mich. Nur ein anderer Kerl mit guter Kamera nahm den Weg auch auf sich.

Vom Nebenhügel
Nochmal Grande Barriere
Ordentlich hoch

Nach dem Umweg geht es dann auch für mich wieder Richtung Base Camp. Ich merke, dass die große Masse schon vor mir wieder nach unten ging. Ich gebe ordentlich Gas um auf meine beiden Kollegen aufzuholen. Aber der Abstieg zieht sich und ich merke schnell, dass ich trotz Wanderstöcken nicht übertreiben darf, da ich sonst Probleme mit dem Knie bekomme.

Auf dem Rückweg

Trotz der Anstrengung macht das Wandern einfach Spaß. Das Wetter ist immer noch perfekt und die Aussichten sind einfach genial.

Traumhafter Ausblick

Um ca 12.30 bin ich wieder im Base Camp. Zu meiner Überraschung war ich wohl langsamer als erwartet oder länger auf dem Hügel als ich dachte, denn Petr und Michal sind schon mit dem Essen fertig als ich ankomme. Michal schläft tatsächlich im Speiseraum auf einer gepolsterten Bank vor dem Fenster. Ich bestelle mir auch was zum Essen und entspanne ein bisschen.

Wir beschließen, dass wir nach einer etwas längeren Pause um ca 14 Uhr wieder aufbrechen wollen. Wie es der Zufall will ist grad ein Kerl aus Schwaben in der Nähe, der den Circuit im Uhrzeigersinn mit seinem Mountainbike fährt. Er gibt uns einige (vermeintlich) gute Tipps für Lodges und Dörfer auf der anderen Seite des Passes und wir beraten ihn nach bestem Gewissen für die Seite die wir bereits hinter uns haben.

Um fast genau 14 Uhr geht es dann für uns weiter. Zuerst gilt es die Landslide Area wieder zu überqueren. Trotz Michals Pausen kommen wir zügig voran. Unser Ziel Upper Shree Kharka ist nah und wir erreichen es um ca 16 Uhr. Die Blue Sheep Lodge hat dann ein paar Vor- und Nachteile.

Petr beim Abstieg
Landslide Gebiet
Weg durch das Landslide Gebiet

Vorteile: man sitzt eng zusammen vor dem Ofen im kalten Gastraum und kommt leicht in Gespräche, das Essen ist gut und die Familie, die das Lokal bedient ist super.

Nachteile: Die Dusche ist in einer Blechhütte direkt an der Straße, der Gasboiler funktioniert nicht, also duscht man kalt. Der Wirt reagiert darauf nur mit nem Schulterzucken und wir dürfen trotzdem 200 Rupien für eine “warme” Dusche zahlen. Unser Zimmer ist direkt unter dem Gastraum, nur durch eine dünne Holzdecke getrennt, also hört sich jeder Schritt an als würden sie über uns Stepptanz üben. Und wir hören alle Gespräche. Außerdem ist es schön zugig und frisch.

Wie es der Zufall will sind Jess und Antoine auch hier und ich setz mich zu den beiden und einem Pärchen aus Australien und wir haben einen angenehmen (kurzen) Abend.

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