Tag 14: Churi Ledar – High Camp

Wir haben bisher eine top Aklimatisierung hinter uns, deswegen ist unser Plan von Ledar direkt zum High Camp aufzusteigen. Da liegen zwar mehr als 500 Höhenmeter dazwischen, doch wir sind zuversichtlich, dass uns das nichts mehr ausmachen sollte. Zur Not können wir unterwegs immer noch in Thorang Phedi bleiben oder dorthin wieder absteigen.

Michal wirkt auch diesen Morgen wieder besser drauf. Aber wir behalten ihn weiter scharf im Auge. Wenigstens sind wir uns inzwischen sehr sicher, dass es sich um einen ordentlichen Infekt handelt und nicht um Höhenkrankheit. Das macht die Sache trotzdem kaum besser, und der Infekt verschwindet mit der täglichen Anstrengung sicher nicht schneller.

Da der Tag von der reinen Strecke her nicht zu lang ist, starten wir erst spät nach dem Frühstück. Der Weg ist hier sehr eindeutig und immer in die Höhe. Vom Gastraum aus sehen wir auch einige Leute draußen vorbei gehen die wir von unterwegs kennen und die wohl von Yak Kharka und den anderen Lodges in Ledar gestartet sind und wir winken ihnen freundlich zu.

Wanderer im Aufstieg zum ersten Teehaus

Die Aussichten sind großartig wie jeden Tag. Ledar liegt bald hinter uns und der Weg schlängelt sich den Berg entlang. Michal wirkt zumindest im ersten Abschnitt solide. Unterwegs sehen wir ein paar Pferdekarawanen die die Hütten versorgen. Auch in Nepal gibt es auf diesen Höhen keine Straßen mehr. Zumindest noch nicht.

Raue, schöne Umgebung

Langsam arbeiten wir uns näher an Thorang Phedi heran. Unterwegs ist noch ein kleines Teehaus bei dem wir kurz durchschnaufen und uns mit den anderen Trekkern unterhalten. Ich spreche mit Marissa, einer Amerikanerin die in Vietnam lebt, die ich schon ein paar mal getroffen habe. Michal und Petr treffen ein paar andere Tschechen.

Aussicht unterwegs

Nach weiteren 30 Minuten sind wir in Thorang Phedi. Die “Ortschaft” besteht aus ein paar Lodges, die alle einen guten Eindruck machen. Wir machen hier eine frühe Mittagspause um uns etwas zu erholen und für den Aufstieg zum High Camp zu stärken.

Thorang Phedi, eine neue Lieferung trifft ein

Der letzte Anstieg ist dann auch knackig. Nicht mal ein Kilometer Distanz aber 400 Höhenmeter sind zu bezwingen, und das auf 4500 Metern Höhe. Das lässt einen ordentlich schnaufen.

Aufstieg zum High Camp

Wir arbeiten uns langsam hoch, denn auch hier braucht Michal wieder eininge Pausen unterwegs. Um kurz nach 13 Uhr haben wir es dann nach oben geschafft. Wir sehen das High Camp mit den zahlreichen Gebäuden und Hütten vor uns.

Dann der Schreck. Obwohl wir gefühlt relativ früh im High Camp eintreffen gibt es keine freien Betten in den Hütten mehr. Die Aussage lautet: In den Zelten sind noch Plätze frei! Zelt! Auf über 4800 Metern! Bei wahrscheinlich – 10 Grad in der Nacht! Wow, was ne traumhafte Prognose… Das Zelt ist auch kein Hightech-Ding, das relativ winddicht wäre. Eher Typ altes Armee-Zelt, dass etwas zugig ist.

Zelt des Grauens

Widerwillig wählen wir unsere Matratzen. Das wird ne kalte Nacht. Kurz nach uns kommt auch die Gruppe an zu der auch Marissa gehört und gesellt zu uns ins Zelt. Deren Gesichtsausdruck ist nicht besser als unserer. Glück im Unglück, nach kurzer Zeit kommt ein Italiener herein der meint, dass er zwar nur ein Einzelzimmer gebucht hat, aber ein Zimmer mit drei Betten bekam. Jetzt bietet er an, dass zwei Leute zu ihm ins Zimmer kommen.

Unsere Schlafplätze

Aus der Marissa-Gruppe hat eine Österreicherin ziemlich Probleme mit der Höhe und wohl schon zwei Nächte auf dem Klo verbracht, also geht sie mit. Und ich plädiere dafür, dass Michal mit geht. In seinem Zustand ist das Zelt nix, und nach kurzem Protest nimmt er das andere freie Bett. Eine Sorge weniger.

Auf dieser Höhe gibt es keine Duschen mehr, also mach ich mich an der Wasserzisterne etwas frisch, so lange die Sonne noch wärmt.

Direkt vom High Camp führt ein Weg vielleicht 50 Höhenmeter nach oben auf einen Aussichtshügel. Da es noch früh ist geh ich da rauf um ein bisschen die Berge zu genießen. Dort oben treffe ich auch wieder auf Jess und Antoine, die ihr ganzes Kamera-Zeug dabei haben. Außerdem sind auch Markus und Michael hier. Die beiden schlafen zwar in Phedi, sind aber zur Aklimatisierung und zum Traing hier kurz hoch marschiert. Ich schieß ein paar Bilder von den beiden und wir tauschen Kontaktdaten aus.

Toller Blick vom Aussichtshügel
High Camp von oben

Danach setz ich mich in den Gastraum, da es hier auch am frühen Nachmittag doch schon recht frisch ist. Genau die richtige Zeit für einen guten Massala-Tee und einen Apfelkuchen. Ich geselle mich zu Jess, Antoine und den beiden Australiern vom Vortag. Irgendwann stoßen auch Petr, Michal und drei polnische Mädels zu uns, die wir bereits in der allerersten Lodge in Ngadi getroffen haben. Sie haben Cesar im Gepäck, einen anderen Polen der aktuell den Circuit zum zweiten Mal geht. Dazu kommen noch ein paar Amerikaner die über das Peace-Corps gerade in Nepal sind und aktuell ihren Urlaub auf dem Circuit verbringen. In dieser Runde bleiben wir auch den ganzen Abend zusammen nur Michal verlässt uns irgendwann, da er direkt einen freien Platz beim Ofen bekommen hat und die Wärme bei seiner Erkältung besser ist.

Ich bringe noch mein Telefon zum Aufladen. Hier haben weder Zimmer und erst recht nicht das Zelt eine Steckdose, und so muss man gegen Gebühr an der Theke aufladen.

Bei den langen Gesprächen mit den anderen Trekkern wird man manchmal ganz heiß aufs nächste Abenteuer. Jess und Antoine arbeiten in Canada hauptsächlich als Saisonarbeiter in der Kirschernte. Drei Monate harte Arbeit wirft ihnen dabei aber genug Geld ab um davon die restlichen 9 Monate leben und reisen zu können. Jetzt sind sie aber nach dem Circuit auf dem Weg nach Australien um da ein bisschen zu arbeiten und zu reisen.

Die Australier sind auch ganz angetan. Auch wenn beide jetzt im Medizin-Sektor arbeiten, so haben sie erst vor ein paar Jahren zwei Jahre mit Wwoofing verbracht. Dabei arbeitet man für freie Unterkunft und Verpflegung auf Farmen mit und kommt im eigenen Land rum.

Beide Entwürfe wirken sehr attraktiv auf mich. Vielleicht wäre ja das mal was.

Als der Abend langsam kommt und es draußen sehr kalt wird frage ich mal nach ob es möglich ist im Speiseraum oder in der Unterkunft der Träger mit zu schlafen. Bei den Porters ist auch schon alles voll und im Speiseraum selbst gibt es keine Schlafmöglichkeit wie in einigen anderen Lodges. Nur in nem Nebenraum der noch schlechter isoliert ist als das Zelt. Ich bin hin und hergerissen, und lasse mal meinen Krempel im Bereich der Theke stehen um mich später zu entscheiden.

Nach dem Abendessen (lecker Dal Bhat für mich) leert sich die Lodge schnell. Viele Leute wollen in der Nacht in Richtung Pass aufbrechen, da es dort oben wohl schnell sehr windig und dadurch noch kälter wird. Wir haben aber unterwegs mit Leuten mit mehreren Touren in den Beinen gesprochen, die meinen, dass der Wind besser als die Kälte um 4 Uhr nachts ist. Wenigstens wärmt einen später die Sonne. Da ich guten Windschutz, aber nicht so warme Winterkleidung dabei hab vertrete ich auch eher die Ansicht, dass für mich ein später Start besser ist.

Dal Bhat Power, 24 hours

Ich setz mich noch ein bisschen an den warmen Ofen und überlege ob ich mich fürs Zelt oder den Nebenraum entscheide. Da alle anderen Leute vom Zelt tatsächlich im Zelt bleiben wollen schließe ich mich an und pack meinen Rucksack wieder ins Zelt. Ich gönne mir aber noch ne zweite Decke für 50 Rupien und lasse meine Nalgene-Flasche für 250 Rupien mit heißem Wasser auffüllen und nutze sie als Wärmflasche.

Mit Quilt, zwei Decken, einer Wärmflasche, zwei Mützen, Handschuhen und einigen Lagen Kleidung geht es also ins Bett. Schnell stelle ich aber fest, dass das übertrieben ist. Die Wärmflasche funktioniert so gut, dass ich bald einige Lagen Kleidung ablegen kann und irgendwann wird mir sogar die zweite Decke zu warm. So schlafe ich dann irgendwann zwar unbequem aber warm ein.

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