Tag 15: High Camp – Thorang La Pass – Muktinath

Der Tag ist endlich da: heute kommt der wörtliche Höhepunkt meiner Tour. Es ist Zeit den Thorang La Pass zu überschreiten.

Die Nacht im Zelt war auch gar nicht so furchtbar wie befürchtet. Die Wärmflasche half enorm, und so konnte ich doch tatsächlich den Großteil der Nacht mit nur einer Decke und auch nur mit meiner normalen Schlafkleidung schlafen, ohne extra Schichten.

Als wir um ca 6.30 aufstehen merkt man deutlich, dass schon viele Leute unterwegs sind. Die Marissa-Gruppe legte auch schon vor einer Stunde los. Ich geh erst nochmal auf den Aussichtshügel, da man da einen tollen Blick bei Sonnenaufgang haben soll. Da treffe ich doch noch auf Patrick aus dem Zelt, der sagt, dass er sich der restlichen Gruppe dann unterwegs wieder anschließt. Ich denke, das ist für ihn auch kein Problem. Er wirkte wie der schnellste Wanderer der Gruppe.

Sonnenaufgang auf dem Aussichtshügel

Kleine Notiz am Rande. Das High Camp liegt auf fast 5000 Metern. Nachts ist es da entsprechend kalt. Es gibt keine Duschen mehr und nur Außenklos im asiatischen Stil. Also Loch im Boden und man hockt drüber. Um danach sauber zu machen gibt es immer einen großen Wassereimer von dem man ins und ums Loch kippt. Es ist aber wie gesagt sehr kalt. Also ist das Wasser da drin über Nacht gefroren. Also kann man das Klo nicht wirklich säubern. Viele Leute teilen sich die Klos. Keiner kann sauber machen… Entsprechend sieht es aus wenn man relativ spät aufbricht…

Nach einem guten Frühstück packe ich meine Sachen zusammen. Aber zu meiner Überraschung finde ich meine Wanderstöcke nicht mehr. Ich durchsuche das ganze Zelt. Nicht da. Ich schau nochmal in der Lodge nach. Nicht da. Und auch der Karma in der Lodge hat keine gefunden.

Ich war mir sehr sicher, dass ich die Stöcke gestern mit ins Zelt gepackt habe, als ich mich entschloss dort zu schlafen. Inzwischen hab ich Zweifel: hab ich sie doch im Gastraum gelassen und irgendwer nahm sie einfach mit? Ich schließe kategorisch aus, dass es wer aus der Marissa-Gruppe mit uns im Zelt war. Das sind alles gute Leute, wie die meisten auf dem Trek. Kleiner Blick voraus: Unterwegs schau ich den Leuten die nächsten Tage genau auf die Stöcke, doch meine sind nicht dabei.

Alles aber nicht so dramatisch. Natürlich verkauft die Lodge im High Camp auch Wanderstöcke. Für 1500 Rupien (ca 12 Euro) bekomme ich gefälschte Leki-Stöcke die gut genug funktionieren. Sie hielten tatsächlich sauber bis zum Ende meiner Tour durch und in Kathmandu verschenkte ich sie an ein paar andere Wanderer.

Um ca 8 Uhr werden wir dann von der Lodge auch vor die Tür gesetzt. Zu dieser Zeit beginnt das große Putzen für die Wanderer am nächsten Tag. Inzwischen sind wir auch bereit zum Aufbruch. Michal hat wieder etwas Farbe im Gesicht und Petr ist eh immer bereit los zu gehen.

Zu dieser Zeit sind auch bereits Michael und Markus aus Phedi eingetroffen und wir unterhalten uns noch ein bisschen bevor wir wirklich die ersten Schritte machen.

Schnell kommen uns die drei polnischen Mädchen vom Vortag in der Lodge entgegen. Eine der drei Freundinnen sieht wirklich nicht besonders gut aus. Wahrscheinlich war die Höhe dann doch zu viel. Da sieht man, dass das jeden erwischen kann, denn die drei Mädels sind wirklich super fit. Cesar, der andere Pole ging auch mit ihnen zurück und nahm die Mädels ein bisschen unter seine Fittiche.

Gefrorener Bach auf dem Weg nach oben

Wir kommen anfangs gut voran. Aber jedes mal, wenn man ein bisschen zügiger gehen will merkt man sehr schnell, dass die Luft wirklich dünn ist und man braucht eine kurze Pause zum Durchatmen. Michal hat wieder einmal sehr schnell zu kämpfen. Aber auch kaum mehr als viele anderen hier. Man hört doch einige Leute husten.

Nachdem wir ein bisschen unterwegs sind werden wir von einem Pferd mit der höhenkranken Polin überholt. Scheinbar wollte sie unbedingt über den Pass. Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist. Die Arme ist so fertig, dass sie sich kaum auf dem Pferd halten kann.

Die Polin auf dem Pferd

Petr macht sich große Sorgen um Michal und drängt ihn immer wieder dazu doch entweder umzukehren, oder zumindest schwere Sachen aus seinem Rucksack auf uns zu verteilen. Aber dazu ist Michal natürlich zu stolz und zu stur. Und eigentlich wirkt er auf mich auch eher nur erschöpft als wirklich krank. Irgendwie ist auch Petr heute ein bisschen seltsam und vielleicht selbst ein bisschen von der Höhe beeinflusst. Aber auf der Höhe muss auch jeder mit sich selbst kämpfen und sauber einen Fuß vor den anderen setzen.

Tolle Aussicht beim Blick zurück

Ich geh meist etwas voran, dann geht Petr mal etwas voraus und dann warten wir wieder auf Michal. Das läuft auch soweit recht gut. Nur als wir näher an den Pass kommen ging Petr mal etwas weiter voraus und ich warte auf Michal. Und dann erreichen wir den Pass. Und wir können Petr nicht mehr finden…

Trotzdem sind wir erst einmal super happy den Aufstieg hinter uns zu haben. Wenn ich micht nicht irre haben wir ca 3 Stunden aus dem High Camp gebraucht. Ich geh noch 50 Meter höher auf den Aussichtshügel in der Nähe während Michal sich ein bisschen erholt. Vielleicht taucht in der Zeit ja auch wieder Petr auf. Als ich zu Michal zurück komme gönnen wir uns erst mal einen Tee aus dem kleinen Teehaus am Pass. Ja auch auf über 5400 Meter steht ein kleines Teehaus und geschäftstüchtige Nepalesen machen hier ein gutes Geschäft. Der Tee kostet für nepalesische Verhältnisse teure 400 Rupien (ca 3,5 Euro) die Tasse, aber das ist es uns hier wert.

Aussicht am Pass

Michael und Markus haben es inzwischen auch geschafft und wir unterhalten uns wieder ein wenig. Michael war bereits vor 18 Jahren auf dem Circuit und meint, dass es damals wohl ein bisschen leichter für ihn ging.

Kleiner See beim Pass, vom Aussichtshügel

Petr ist immer noch nicht zu finden also machen wir uns nur zu zweit daran unsere Fotos zu schießen. Ich bin zufrieden hier zu sein, aber da es kein Gipfel ist auf dem man steht, sondern eher ein breiter Weg in einem weiten Sattel ist das Gipfelgefühl nicht sehr stark ausgeprägt. Trotzdem ist es schon geil zu wissen, dass man das Hauptziel der Tour erreicht hat, fast 5500 Meter aufgestiegen ist und dabei eigentlich nie ernste Probleme hatte. Ich fühle mich wirklich gut in meiner Haut.

Ich am Pass
Ein stolzer Moment

Der Thorang Peak gleich neben dem Sattel sieht sehr verlockend aus. Vom Pass aus sind es wohl nur 700 Höhenmeter bis zum Gipfel. Sehr einladend und er sieht nicht mal kompliziert zu besteigen aus. Ich hab Lust direkt rüber zu gehen. Natürlich nur im Spaß, aber viele der Berge ziehen mich hier direkt an und so Nahe werde ich den 6000 Metern so schnell nicht mehr kommen.

Petr taucht auch nach 30 Minuten nicht auf, also machen wir uns an den langen Abstieg auf der anderen Seite. Es geht ca 1800 Höhenmeter am Stück nach unten, über eine ziemlich lange Strecke. Der Weg ist zudem noch staubig und dadurch teilweise tückisch rutschig. Also beste Voraussetzungen für Schmerzen in den Knien am Ende des Tages.

Die Aussicht auf dieser Seite des Tals in Richtung Mustang ist komplett anders als auf der anderen Seite. Hier ist viel weniger grün und alles wirkt rauer und wilder. Das hat natürlich auch einen ganz eigenen Charme.

Typische Aussicht auf dem Weg nach Muktinath

Nach einiger Zeit im Abstieg sehen wir vor uns weit entfernt ein paar andere hohe Berge aufragen. Zu unserer Überraschung ist einer davon bereits der Dhaulagiri. Ein toller Berg der eher freistehend wirkt und dadurch nochmal imposanter erscheint als Manaslu auf der anderen Seite des Passes.

Berge

Ein solches Panorama beflügelt ordentlich. Das ist auch nötig, denn der Abstieg ist eine ziemliche Latscherei die sich sehr zieht.

Nach ein paar hundert Metern merkt man langsam, dass es wärmer wird. Wir kommen auf eine schöne Wiese auf der einige andere Wanderer Pause machen. Unter anderem die Marissa-Gruppe ist auch da. Wir strecken 15 Minuten die Beine aus und genießen die Sonne und den Ausblick.

Chill-Wiese

Auf dem Weg sieht man oft zwei Pfade, einen etwas direkteren für die Wanderer und einen mehr geschwungenen für Mountainbiker. Ich wünsche mir gerade ein Mountainbike, denn langsam merke ich doch ein deutliches Ziehen im Knie.

Auf ca 4200 Metern kommen endlich die ersten Lodges. Wir sind schon ziemlich hungrig und freuen uns richtig als wir die Dächer sehen. Zu unserer Überraschung und Freude sitzt Petr direkt auf der Terrasse der ersten Lodge und wartet dort auf uns. Wie sich herausstellt fühlte er sich auf der Höhe des Passes gar nicht gut. Er hatte es wohl ziemlich im Magen und beschloss flott auf der anderen Seite nach unten zu gehen.

Wir gönnen uns ein spätes Mittagessen und genießen weiter die Sonne bevor wir uns an den letzten Wegabschnitt nach Muktinath machen.

Die Gegend ist hier eher rau und trocken, mit großen Flussbetten und Schluchten die im Moment kein Wasser führen. Zur Monsun-Zeit muss das ein ziemliches Schauspiel sein.

Lange Hängebrücke über eine Schlucht ohne Wasser
Rauer Charme der Landschaft

Langsam sehen wir Muktinath in der Distanz unter uns. Man merkt, dass es sich hier um einen größeren Ort handelt, denn man kann in der Distanz einigen Verkehr auf den Str beobachten. Gerade aus der Richtung aus der wir kommen sieht man zuerst die Tempel. Muktinath ist eine Pilgerstätte für Hindus und Buddhisten und beide teilen sich eine große Tempelanlage.

An den Tempel vorbei geht es noch etwas weiter runter in die Stadt. Viele Pilger teilen sich jetzt den Weg mit uns. Zwischdrin immer wieder Pferde und Motorräder die Pilger zwischen Tempel und Stadt transportieren.

Überhaupt ist der Verkehr wieder ein ziemlicher Kontrast. Die letzten Tage waren wir in einem Abschnitt ohne Fahrzeuge unterwegs und hier herrscht reges Treiben von Jeeps, Bussen, Autos, etc auf der Straße.

Neben den kleineren Lodges gibt es hier sogar echte Hotels. Wir entscheiden uns für ein Haus irgendwo zwischen Hotel und Lodge das preislich eher günstiger als die Lodges in der Höhe ist. Direkt im Gastraum sehe ich auch Cesar, den Polen und Michael wieder. Er sagt Markus hat beim Abstieg ziemlich Kopfschmerzen bekommen und ruht sich etwas aus. Das kann ich verstehen, denn es geht hier in Abstufungen vielen Leuten so. Auch mir. Cesar berichtet, dass es dem polnischen Mädchen gut geht und die drei in einer anderen Lodge übernachten. Nach dem Abstieg hatte sie zum Glück keine Probleme mehr.

Wir legen uns alle erst mal etwas hin um zu entspannen. Nach einer schönen warmen Dusche etwas später gehe ich ein bisschen nach Muktinath in die Stadt. Eigentlich stellt sich der Ort als wenig besonders heraus. Es gibt eine Hauptstraße an der ein Hotel und ein Souvenirshop nach dem anderen liegt. Aber die Kulisse mit den Bergen ist natürlich Klasse.

Muktinath am frühen Abend

In der Stadt treffe ich auch das Pärchen aus Australien wieder. Die beiden haben den Pass auch gut überstanden. Sie werden die nächsten Tage nach Jomson wandern und von dort das Flugzeug nach Pokhara nehmen. Während unseres Gesprächs kommen auch Jess und Antoine vorbei. Die beiden haben sich für die nächsten Tage Mountainbikes ausgeliehen und wollen damit bis nach Tatopani fahren.

Nach ein paar Minuten verabschieden wir uns und drücken uns alle gegenseitig. Jedem ist klar, dass wir uns wohl gerade zum letzten Mal unterwegs getroffen haben. Wir haben aber unsere Daten eh schon ausgetauscht damit man lose in Kontakt bleiben kann und zumindest Fotos austauscht.

Zurück im Hotel geht es langsam ans Abendessen. Michal und Petr schlafen immer noch und ich muss die beiden aufwecken damit wir nicht die Strafgebühr zahlen müssen. Es ist nämlich so, dass die Übernachtung oft super günstig ist, aber man dafür Abendessen und Frühstück im Hotel essen muss, denn damit verdienen sie ihr Geld. Wenn man das nicht macht, dann wird das Zimmer teurer.

Bis meine Tschechen fit werden setz ich mich zu Michael, Markus und Cesar. Michael und Markus wollen den nächsten Tag auch noch in Muktinath bleiben und sich die Tempel ansehen. Auch wenn mich das reizt, so ist es nicht genug, dass ich einen extra Tag deswegen hier bleiben will. Meine Beine fühlen sich immer noch gut an und mich zieht es weiter.

Im Gastraum ist es kuschelig warm, denn sie haben relativ gut isolierte Räume hier und einen Gasheizer der fleißig läuft. Eine Gruppe nepalesischer Pilger feiert ordentlich an einem Tisch und nach einigem Raksi wird die Musik aufgedreht und sie fangen zu tanzen an. Schnell wird die junge Bedienung überredet mit zu tanzen, dann die hübsche Didi des Hotels und dann auch ein Tisch mit anderen Wanderern. Kurz werd ich auch dazu gezogen und gebe mein bestes.

In dieser ausgelassenen Stimmung besprechen wir unsere Pläne für die nächsten Tage und Petr und ich gönnen sich auch ein ganzes Bier pro Person.

Als ich dann schließlich ins Zimmer gehe kommt aber noch eine zweite kleine Enttäuschung heute. Wie es aussieht habe ich meinen Stecker für meine Elektrogeräte im High Camp gelassen. Da wir aber eh nur eine Steckdose im Zimmer haben ist das nicht so schlimm und ich nutze Michals Stecker diese Nacht. Ich denke, dass ich spätestens in Jomson einen bekommen werde.

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